
Im Dialog:
Unternehmens-nachfolge aus zwei Richtungen gedacht
Christian Joachim Schult, August 2026
Prozessklarheit und Führungsverständnis für einen tragfähigen Übergang
Wann beginnt Unternehmensnachfolge wirklich?
Diese Frage stellen wir uns immer wieder – in Gesprächen mit Unternehmerinnen und Unternehmern ebenso wie mit Menschen, die ein Unternehmen übernehmen wollen. Die Antworten sind selten eindeutig. Und doch ähneln sich die Momente, in denen Nachfolge relevant wird. Ein Versuch, diese Gedanken greifbar zu machen.
„Nachfolge beginnt nicht mit dem Verkauf eines Unternehmens. Sie beginnt mit der Bereitschaft, sich ehrlich mit der eigenen Zukunft auseinanderzusetzen.“
Im Dialog
Christian Joachim Schult, Strategic Consultant & Executive Business Coach, begleitet Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Führungskräfte in strategischen, kulturellen und persönlichen Fragestellungen – von der ersten Orientierung bis in die Phase der Integration.
Peter Venthien, Inhaber von ConVeritas Management Consultants, begleitet Nachfolge- und Besetzungsprozesse mit Fokus auf Executive Search, MBI/MBO, diskrete Ansprache geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten, Eignung, M&A-Logik und strukturierte Transaktionsprozesse.
Wenn Nachfolge beginnt – lange vor der Entscheidung
Christian: Peter, wann beginnt Unternehmensnachfolge wirklich? Aus meiner Sicht oft lange bevor jemand sagt: „Ich will verkaufen“ oder „Ich will übernehmen“.
Peter:
Das sehe ich genauso. Nachfolge beginnt selten mit einem Prozess. Sie beginnt mit einem Moment.
Ein Moment, in dem sich etwas verschiebt. Leise. Manchmal zunächst nur als Gedanke.
Christian: Was meinst du mit „verschiebt“?
Peter:
Zum Beispiel, wenn ein Unternehmer merkt:
„So wie bisher kann oder will ich es nicht dauerhaft weiterführen.“
Oder wenn jemand von außen oder aus dem Unternehmen heraus spürt:
„Ich möchte nicht nur führen. Ich möchte unternehmerisch gestalten.“ Und genau da entsteht oft noch keine Entscheidung – aber eine Richtung.
Christian: Das ist ein wichtiger Punkt. Denn in diesem frühen Moment geht es noch nicht um Bewertung, Vertrag oder Finanzierung. Es geht zunächst um innere Klarheit.
Peter:
Ja. Und trotzdem wäre genau dann Struktur hilfreich. Nur wird sie häufig erst gesucht, wenn der Druck bereits hoch ist.
Christian:
Vielleicht ist das der erste gemeinsame Gedanke: Nachfolge beginnt nicht mit dem Verkauf eines Unternehmens. Sie beginnt mit der Bereitschaft, sich ehrlich mit der eigenen Zukunft auseinanderzusetzen.
Zwei Bewegungen, die zusammengehören
Christian: Was wir immer wieder sehen: Nachfolge ist kein einseitiger Prozess.
Peter: Sondern ein Zusammenkommen. Auf der einen Seite jemand, der Verantwortung abgeben möchte. Auf der anderen Seite jemand, der Verantwortung übernehmen will.
Christian: Und beide Seiten bringen völlig unterschiedliche Fragen mit. Der Übergebende fragt sich: „Bleibt das, was ich aufgebaut habe, wirklich erhalten?“ Der Übernehmende fragt sich: „Bin ich bereit, diese Verantwortung zu tragen?“
Peter:
Genau. Und gerade deshalb reicht es nicht, Nachfolge nur als Transaktion zu denken.
Ein Vertrag regelt vieles. Aber nicht Vertrauen. Nicht Kultur. Und nicht die Zusammenarbeit im Übergang.
Christian:
Da würde ich ergänzen: Auch nicht die innere Rollenklärung.
Denn Verantwortung kann formal übertragen werden. Aber sie muss auch angenommen werden – von der übernehmenden Person, von den Mitarbeitenden und oft auch vom Übergebenden selbst.
Peter: Und genau da wird es anspruchsvoll. Der Übergebende muss loslassen können, ohne dass ein Bruch entsteht. Und der Übernehmende muss gestalten können, ohne das Bestehende vorschnell abzuwerten.
Christian:
Das ist vielleicht einer der sensibelsten Punkte im gesamten Prozess. Gute Nachfolge verbindet Bewahren und Erneuern.
Warum Nachfolge heute anspruchsvoller geworden ist
Christian: Peter, du bist sehr nah am Markt. Was hat sich aus deiner Sicht verändert?
Peter: Die Ausgangslage ist anspruchsvoller geworden. Wir sehen heute mehr Unternehmen, die eine Nachfolge suchen, als geeignete Nachfolgerinnen und Nachfolger verfügbar sind. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Finanzierung, Bewertung, Zukunftsfähigkeit und Prozesssicherheit.
Christian: Und vermutlich auch die Anforderungen an die Passung?
Peter:
Absolut. Es geht nicht nur darum, jemanden zu finden, der fachlich geeignet ist oder die Finanzierung darstellen kann.
Es geht um unternehmerische Haltung. Um Belastbarkeit. Um Führungsverständnis. Und um die Fähigkeit, ein Unternehmen in die nächste Phase zu führen.
Christian: Das verbindet sich stark mit meiner Perspektive. Unternehmer werden heißt nicht nur, eine Position zu übernehmen. Es heißt, Verantwortung für Menschen, Markt, Kultur und Zukunft zu tragen.
Peter: Und deshalb braucht es Zeit.
Christian: Zeit ist aus meiner Sicht einer der meist unterschätzten Erfolgsfaktoren.Viele beginnen zu spät. Dabei braucht Nachfolge Jahre – nicht Monate.
Peter:
Wer früh beginnt, hat Optionen. Wer spät beginnt, hat oft nur noch Lösungen.
Vom Gedanken zur Struktur
Christian: Was mir in Gesprächen häufig begegnet: Es gibt viele einzelne Aktivitäten – aber noch keinen roten Faden.
Peter: Ja. Dann wird hier etwas analysiert, dort etwas verhandelt, später vielleicht jemand gesucht – aber die Schritte greifen nicht sauber ineinander.
Christian: Was wäre aus deiner Sicht der erste sinnvolle Strukturpunkt?
Peter: Zunächst Klarheit über die Ausgangslage. Was soll übergeben werden? Welche Zukunftsfähigkeit hat das Unternehmen? Welche Rolle soll der Übergebende künftig haben? Welche Anforderungen muss eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger erfüllen? Erst dann wird Suche sinnvoll.
Christian: Das ist spannend, weil wir da sehr ähnlich denken. Auch in der strategischen Begleitung beginnt es nicht mit einer schnellen Lösung, sondern mit einer sauberen Klärung. Wo stehen wir? Was ist wirklich das Anliegen? Welche Erwartungen sind ausgesprochen – und welche noch nicht?
Peter:
Und genau daraus entsteht Prozesssicherheit.
Nicht jede Fragestellung muss dabei von uns selbst beantwortet werden. Sobald es um transaktionsspezifische Details geht – beispielsweise rechtliche, steuerliche, finanzierungsbezogene, prüfungs- oder gesellschaftsrechtliche Themen –, beziehen wir gezielt ausgewiesene Expertinnen und Experten ein.
Christian: Denn gute Nachfolge braucht beides: einen durchgängigen Prozess und die passende fachliche Tiefe an den richtigen Stellen.
Peter: Unsere Aufgabe ist es, die Fäden zusammenzuhalten und dafür zu sorgen, dass aus vielen Einzelthemen ein stimmiger Gesamtprozess entsteht.
Christian:
Nicht mit der Frage:
„Wie schließen wir möglichst schnell eine Transaktion ab?“ Sondern mit der Frage:
„Wie gestalten wir einen Übergang, der wirklich trägt?“
Was ein durchgängiger Prozess verändert
Peter:
Vielleicht kann man es so beschreiben: Wir bringen Struktur in einen Prozess, der sich für viele zunächst unklar anfühlt.
Von der ersten Orientierung über Suche, Auswahl, Ansprache und Eignung bis zur Transaktion und Übergabe.
Christian: Und ich würde ergänzen: Wir achten darauf, dass diese Struktur nicht nur technisch funktioniert, sondern auch menschlich anschlussfähig bleibt. Denn jeder Schritt verändert etwas: Erwartungen. Rollen. Beziehungen. Selbstbilder.
Peter: Und wenn diese Veränderungen nicht mitgedacht werden, entstehen Reibungen.
Christian: Zum Beispiel, wenn die übernehmende Person formal schon Verantwortung trägt, aber faktisch noch nicht frei handeln kann.
Peter: Oder wenn der Übergebende offiziell loslassen will, aber im Alltag weiterhin alles mitentscheidet.
Christian: Dann entsteht Unsicherheit – im Unternehmen, bei den Mitarbeitenden und zwischen den Beteiligten.
Peter: Deshalb ist ein durchgängiger Prozess so wichtig. Jede Phase baut auf der vorherigen auf.
Christian:
Und genau dadurch entsteht Sicherheit – für beide Seiten.
Was nach der Unterschrift wirklich zählt
Christian: Ein Punkt wird oft unterschätzt: die Zeit nach dem Closing.
Peter: Absolut. Viele denken: Wenn unterschrieben ist, ist der Prozess im Wesentlichen abgeschlossen.
Christian: Dabei beginnt dann häufig der schwierigste Teil.
Peter: Denn jetzt muss das, was vereinbart wurde, im Alltag funktionieren.
Christian: Die ersten 100 Tage entscheiden nicht über alles – aber sie prägen Vertrauen.
Peter: Und Vertrauen entscheidet über alles Weitere.
Christian: Führung wird sichtbar. Kultur wird spürbar. Menschen orientieren sich neu.
Peter: Was braucht es aus deiner Sicht in dieser Phase besonders?
Christian:
Klarheit über Rollen, Kommunikation und Erwartungen.
Wer entscheidet was? Wie bleibt Erfahrung verfügbar, ohne neue Führung zu blockieren? Wie wird Veränderung erklärt, ohne das Bestehende abzuwerten?
Peter:
Das ist auch aus Transaktionssicht entscheidend. Denn wenn diese Phase nicht bewusst gestaltet wird, kann ein formal sauberer Prozess trotzdem an Vertrauen verlieren.
Christian:
Dann wird aus einer gelungenen Transaktion noch nicht automatisch ein gelungener Übergang.
„Wir denken Nachfolge nicht in einzelnen Mandaten - Sondern als zusammenhängenden Weg.“
Was den Unterschied macht
Christian: Vielleicht ist das der Kern unseres Ansatzes: Wir denken Nachfolge nicht in einzelnen Mandaten.
Peter: Sondern als zusammenhängenden Weg.
Christian: Du bringst die Such-, Auswahl-, M&A- und Prozesslogik ein.
Peter: Und du begleitest die strategische, kulturelle, führungsbezogene und persönliche Seite.
Christian: Genau daraus entsteht der Mehrwert: Die harten und die weichen Faktoren werden nicht getrennt betrachtet.
Peter: Wobei „weich“ oft der falsche Begriff ist.
Christian: Da bin ich ganz bei dir. Vertrauen, Rollenklärung, Führung und Kultur sind keine weichen Themen. Sie entscheiden oft darüber, ob ein Übergang wirklich trägt.
Peter: Und wenn es um Unternehmensbewertung, Finanzierung, steuerliche oder rechtliche Gestaltung oder die konkrete Umsetzung einer Transaktion geht, arbeiten wir mit ausgewiesenen Spezialistinnen und Spezialisten zusammen.
Christian: So entsteht ein End-to-End-Ansatz, bei dem jede Fragestellung von denjenigen begleitet wird, die dafür die größte Expertise mitbringen.
Peter: Und gleichzeitig bleibt der Prozess für die Beteiligten aus einem Guss – mit klaren Ansprechpartnern und einem gemeinsamen Ziel.
Christian: Einen Übergang zu gestalten, der wirtschaftlich tragfähig und menschlich stimmig ist.
Peter: Struktur im Prozess.
Christian: Und Klarheit zwischen Menschen.
Beide:
Denn genau daraus entsteht gelungene Unternehmensnachfolge.
Ein gemeinsamer Übergang
Peter: Wenn man es zuspitzt: Nachfolge ist kein Verkauf.
Christian: Und auch kein Karriereschritt.
Peter: Sondern ein Übergang von Verantwortung.
Christian: Zwischen Menschen. Zwischen Generationen. Und zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Peter: Und vielleicht auch zwischen Bewahren und Erneuern.
Christian:
Denn gute Nachfolge hält nicht einfach fest. Und sie verändert auch nicht alles sofort.
Sie verbindet das, was ein Unternehmen stark gemacht hat, mit dem, was es für die Zukunft braucht.
Der erste Schritt
Peter: Sie müssen nicht sofort entscheiden.
Christian: Aber Sie können beginnen, Klarheit zu schaffen. Für sich. Für Ihr Unternehmen. Für den nächsten Schritt.
Peter: Denn der erste Schritt ist kein Vertrag.
Christian: Sondern ein Gespräch.
Wenn Sie tiefer einsteigen möchten
Wenn Sie sich mit dem Gedanken beschäftigen, Verantwortung zu übergeben oder zu übernehmen, lohnt es sich, frühzeitig darüber zu sprechen.
Nicht, um sofort Antworten zu finden. Sondern um Klarheit zu gewinnen.
Gern sprechen wir mit Ihnen darüber, wo Sie aktuell stehen – und welcher nächste Schritt sinnvoll ist.
Oder, wenn Sie zunächst einen strukturierten Überblick suchen: Einen Einblick in unseren End-to-End-Ansatz finden Sie hier:
